Es war irgendwie vorher klar, dass die neue Berlin-Kampagne niemandem gefällt. Denn sie ist, wie solche Kampagnen zwangsläufig sein müssen: anbiedernd, mutlos, klischeebeladen, offensichtlich.
Und natürlich war auch vorher klar, welche Pseudo-Argumente kommen:
20 Prozent Arbeitslosigkeit, Milliarden-Schulden, Rütli, Dreck,
Länderfinanzausgleich, Hype...
Das sind aber die üblichen
Denunziationen zugezogener Dörfler. Wer aus Rheda-Wiedenbrück oder
Bocholt vor fünf Jahren nach P'berg, F'hain, K'berg gezogen ist, der
will natürlich nicht, dass noch mehr Landjugend folgt und das total
alternative Kiez verwässern; der mag Hundescheiße auf dem Bürgersteig,
Grafitti an der Wand und Kotze im Hausflur. Mag jeder mögen, was er
mag.
Aber in einer Image-Kampagne muss mit Klischees gearbeitet
und positiviert werden. Klar zeichnet Be Berlin alles, nur kein
"ungeschminktes, aber faszinierendes Bild Berlins" wie Klaus Wowereit
angeblich sagt.
Die
Kampagne ist trotzdem gut. Wie sie sein muss. Der Rote Rahmen ist eine
sehr gute Idee, Sprechblase und Bilderrahmen zugleich. Der bringt Leute
zusammen, macht Menschen zur Botschaft. Und darum geht es doch: Um die
Menschen die hier leben, die die Stadt ausmachen. Die Menschen sind die
Stadt. Ja, auch die trendgeilen Zugezogenen, die rotzigen Taxifahrer,
die migrationshintergründigen Kinder, die Pelzmantelwitwen aus
Wilmersdorf, die goldbehangenen Russen aus Charlottengrad. Die alle
sind schon Berlin. Also sei du es auch. Oder lass es und sei weiter Frankfurt.
Nicht Du musst Berlin mögen. Berlin muss dich mögen!
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